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Wiener Tierschutzverein

Triesterstraße 8 (368)
2331 Vösendorf (Stadtgrenze Wien)

Telefon: 01 / 699 24 50 - 0
Fax: 01 / 699 24 50 - 98
Tierrettung: 01 / 699 24 80

Email: office@wr-tierschutzverein.org

Teil 2: Castellis Tod - Ende einer Ära

" In Wahrheit heißt den Menschen nützen auch das gequälte Tier schützen. Zur Tat ward dieses Dichterwort, drum wirkt es auch unsterblich fort. "

Castellis Tod - Ende einer Ära

5. Februar 1862, 11.45 Uhr: Ignaz Franz Castelli, der Gründer des Wiener Tierschutzvereins, stirbt im "Heiligenkreuzerhof", seinem Altersdomizil. Zwei Tage später wird er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Hütteldorf bestattet. Am 23. Juni 1895 erhalten Castellis sterbliche Überreste ein Ehrengrab der Gemeinde Wien auf dem Zentralfriedhof. Mit des Dichters Tod ging für den WIENER TIERSCHUTZVEREIN eine Ära zu Ende. Doch sein persönliches Motto: "Tiere schützen heißt Menschen nützen" schallt als Auftrag über Zeit und Raum, der all seinen NachfolgerInnen erhalten geblieben ist.

Ignaz Castelli hatte dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN aber auch eine materielle Hinterlassenschaft in Form von National-Anleihen im Wert von 1.000 Gulden vermacht. Umrechnungskalkulationen des Statistischen Zentralamts folgend wären dies in der heutigen Zeit etwa 9.500 Euro. Zieht man in Betracht, dass die gesamten Vereinsausgaben des Jahres 1862 sich auf 1.359 Gulden beliefen, deckte Castellis Legat ungefähr Dreiviertel der finanziellen Aufwendungen ab. Weitere 150 Gulden überwies der Gemeinderat der Stadt Wien dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN als Unterstützungsbeitrag für 1862 - eine großzügige Geste.

"Jugendtierschutz" schon 1864 ein Thema

Am 16. März 1862 wird k. u. k. Oberfinanzrat Dr. Franz Ritter von Heintl zum Präsidenten des WIENER TIERSCHUTZVEREINS gewählt. Vom 23. bis 25. Mai des Jahres 1864 ist Wien unter seiner Ägide Gastgeberin des "III. Internationalen Tierschutzkongresses" VertreterInnen aus 14 Städten (Berlin, Breslau, Dresden, Graz, Hamburg, Hannover, Odessa, Prag, Schwerin, Stettin, Teplitz, Triest sowie aus der Schweiz) diskutieren über Beschränkung der Vivisektion, Tiertransporte, Rettung von Tieren aus Feuersbrünsten, Hunde als Zugtiere, öffentliche Tierkämpfe oder aber über Jugendtierschutz.

In der Kongress-Resolution heißt es: " Der Kongress erkennt es als eine Hauptaufgabe der Tierschutzvereine an, bei der Jugend eine humane Behandlung der Tiere zu erzielen; er spricht seine Befriedigung au s über die Tätigkeit der zu diesem Zweck in Österreich gegründeten Kindervereine." Bei diesen "Kindervereinen" handelte es sich um Gründungen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS: 33 an der Zahl gab es in ganz Österreich. Auch in der Gegenwart ist die Jugendarbeit ein Kernanliegen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS. Im Rahmen des Projektes "Tierschutz im Unterricht" bietet unser Tierschutzlehrer Vorträge und Diskussionen an Schulen an. Schließlich ist das Trachten nach ständiger Verbesserung der Tierschutzstandards eine Frage von Generationen.

Internationale Kongresstätigkeit

In den folgenden Jahren nimmt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN an weiteren internationalen Kongressen teil. In Zürich (1869) wird grenzüberschreitend anerkannt, dass der WIENER TIERSCHUTZVEREIN den gefassten Resolutionen "bereits vorausgeeilt" ist, und zwar:

•  bei der tierärztlichen Überwachung von Tiertransporten

•  durch das "Gesetz zum Schutze nützlicher Vögel" vom 10.12.1868

•  durch die Gründung von "Jugend-Tierschutz-Gruppen"

•  durch das Ablehnen von Sonntagsjägern und Parforce-Jagd

•  durch die Information über die Schädlichkeit des Fleisches von gemarterten Tieren

Es folgen Tagungen in London (1874), Paris (1876) und Brüssel (1880). Hier treffen sich erneut Vergangenheit und Gegenwart. Denn beim Londoner Kongress wurde u.a. das 50-Jahr-Jubiläum der RSPCA, der ältesten Tierschutzorganisation der Welt, begangen. Mit der RSPCA arbeitet der WIENER TIERSCHUTZVEREIN auch heute noch zusammen - und zwar über die Eurogroup for animal welfare, die wiederum ihren Sitz in Brüssel hat.

Klares Bekenntnis gegen Tierversuche

Pionierarbeit wurde auch im Kampf gegen Tierversuche geleistet. Im Sitzungsprotokoll vom 22. März 1880 heißt es klar formuliert: " Der Wiener Tierschutzverein spricht sich von seinem Standpunkt überhaupt gegen alle qualvollen Experimente an lebenden Tieren aus ." Dieser Devise blieb er bis heute treu.

Am 15. Oktober 1880 richten sechs österreichische Tierschutzvereine unter Federführung des WIENER TIERSCHUTZVEREINS eine Petition an das Präsidium des kaiserlich-königlichen Ministerrats, worin eine gesetzliche Regelung der Vivisektion gefordert wird:

" Das hohe k. u. k. Ministerrats-Präsidium geruhe die Einleitung zu treffen, dass aufgrund einer noch vorher anzustellenden Enquete ein Gesetz erlassen werde, wodurch die Anwendung der Vivisektion auf die unabweisbar notwendigen Grenzen eingeschränkt wird und Ausschreitungen derselben mit strengen Strafen geahndet werden ."

Am "XI. Internationalen Tierschutzkongress" in Bern (13.-15. August 1894) nehmen 200 Delegierte aus aller Welt teil. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN ist durch seinen Ehrenpräsidenten Prof. Karl Landsteiner, den Propst von Nikolsburg, vertreten. Landsteiner hält ein unmissverständliches Plädoyer gegen Tierversuche - und zwar ohne Ausnahme!:

" Der Ruf nach äußerster Beschränkung der Vivisektion ist ein gut gemeinter, aber meines Erachtens ein erfolgloser; es ist eine Stimme in der Wüste. Logisch und einzig richtig wäre unter den gegebenen Verhältnissen nur das Begehren nach einem gänzlichen Verbot der Vivisektion (.) Von unserem Standpunkt als Tierschützer aus müssen wir die Vivisektion als Tierquälerei der ärgsten Art verwerfen, solange keine ausreichenden und nicht bloß scheinbaren Garantien gegeben sind, dass jede Tierquälerei ausgeschlossen ist. "

Landsteiner weiter: "Ich bin kein Gegner der Wissenschaft, aber ein Gegner der Grausamkeit und der Tierquälerei, wenn sie auch im Namen der Wissenschaft ausgeübt wird."

Herz für Hunde im 1. Tierschutzhaus

Bereits am 18. Juli 1876 fusionierte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN mit dem "1. Wiener Hunde-Asyl-Verein". Ab nun galt der Schutz der wedelnden Vierbeiner als Kernaufgabe. Nach Überwindung der damals wie heute oft verwinkelten Behördenwege wurde es dem WIENER TIERSCHUTZVEREIN erlaubt, in den Sommermonaten 50 Wasserschüsseln vor Häusern aufzustellen: zur Erfischung der Hunde Am 18. Jänner 1896 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Im 6. Bezirk, in der Magdalenenstraße 38-40, eröffnete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN sein erstes Tierschutzhaus, wenngleich nur provisorisch, da das Gebäude viel zu klein für eine adäquate Tierbetreuung war.

Organisierte Tierrettung entsteht

Zum Abtransport verletzter oder verunglückter Pferde, die durch die schlechten Straßenverhältnisse der damaligen Zeit leicht zu Sturz kamen, ließ der WIENER TIERSCHUTZVEREIN im Jänner 1895 drei Pferde-Rettungswagen anfertigen und setzt diese an Standorten im 2., 10. und 14. Bezirk ein. Im Jahr 2005 feierte die mittlerweile natürlich längst motorisierte und PS-starke Tierrettung ihr 110-jähriges Bestehen. Die Kleinbusse des WIENER TIERSCHUTZVEREINS sind rund um die Uhr einsatzbereit, wenn es um die Rettung von Tierleben geht.

1896: Bürgermeister gratuliert zum 50-er

Dem besonderen Anlass entsprechend wurde die alljährliche Generalversammlung am 16. Juli 1896 im festlich geschmückten Gemeinderats-Sitzungssaal des Wiener Rathauses abgehalten. Unter all den Glückwunschschreiben zum fünfzigjährigen Bestehen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS befand sich auch eines von Bürgermeister Josef Strobach. Darin heißt es: " Der löbliche Wiener Tierschutz-Verein begeht heute das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestandes.

Edelgesinnte Männer haben diesen Verein ins Leben gerufen und, unterstützt durch die Mitwirkung aller Gebildeten, mit anerkennenswerter Energie ihre löblichen Zwecke verfolgt, hiezu wesentlich beigetragen zur Veredelung der Sitten.

Ohne den Beschlüssen des Wiener Gemeinderates vorgreifen zu wollen, halte ich es daher für eine angenehme Pflicht, namens der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien den löblichen Wiener Tierschutz-Verein zu seinem Ehrentag zu begrüßen, demselben herzlichst zu danken für sein allseits anerkanntes Wirken in unserer Stadt und dem aufrichtigsten Wunsche Ausdruck zu geben, daß es diesem Vereine beschieden sein möge, auch in Hinkunft in gleicherfolgreicher Weise tätig zu sein im Interesse unserer Stadt und zur Ehre seiner Mitglieder. "

"Vivisektion strafrechtlich verbieten"

Vom 18. bis zum 21. Juni des Jahres 1896 tagten 138 Delegierte aus 121 Vereinen in Budapest beim "XII. Internationaler Tierschutzkongress". Beherrschendes Thema war ein mal mehr die Vivisektion. Aufbauend auf den Aussagen Landsteiners in Bern 1894 bezog Prof. Dr. Förster aus Berlin leidenschaftlich Position. Sein Antrag, dass Tierversuche "strafrechtlich zu verbieten" seien, wurde mit 177 zu 17 Stimmen angenommen.

Nicht nur der legistische Aspekt des Themas Tierversuche wurde angegangen, auch der Frage nach Alternativen zur Vivisektion wirft der WIENER TIERSCHUTZVEREIN auf. Am 10. Oktober 1900 richtete Vereinspräsident Dr. von Holland eine Anfrage an das Physiologische Institut der Universität Wien, ob und inwieweit der institutseigene "Cinematograph" in Verwendung genommen wird, um die Reduktion von Tierversuchen zu bewirken.

 

Weitere Grundsatzerklärungen in Paris

"XIII. Internationaler Tierschutzkongress" in Paris: Wieder nahm Probst Landsteiner als Vertreter des WIENER TIERSCHUTZVEREINS teil, gleichzeitig auch als Repräsentant der Tierschutzvereine von Innsbruck, Linz, Klagenfurt und Prag.

Zum Kapitel "Beförderung der Tiere" beschloss man, ein Preisausschreiben zu veranstalten, gefragt ist die Konstruktion eines Eisenbahnwaggons, der geeignet ist, Tiere zu tränken und zu füttern sowie eine ausreichende Lüftung zu ermöglichen.

 

Zum Thema "Vogelschutz" wurde der Beschluss gefasst, alle Arten des Massenfangs zu untersagen und durch Hecken, Nistplätze und andere Mittel die Vermehrung insektenessender Vögel zu begünstigen. Schon im Juni 1897 hatte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN gegen den Vogelmord in Italien protestiert. Eine Petition an Papst Leo XIII. sowie an die Königin des Apenninenreichs war ergangen.

Zum Thema "Grausamer Tiersport" gab der Pariser Kongress die Empfehlung ab, Hahnen,- Hunde- und Stierkämpfe sowie Taubenjagden, Parforcejagden, den Gebrauch von Fallen und Schlingen sowie das Schlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung gesetzlich zu verbieten.

Auf Betreiben des WIENER TIERSCHUTZVEREINS kam es auch auf dem Pariser Kongress zu einer deutlichen Verurteilung von Tierversuchen.

"Der XII. Internationale Kongreß beschließt, daß die Vivisektion ein Verbrechen ist, welches in keinem Falle gestattet werden darf in irgendeinem Lande, das auf Zivilisation Anspruch erhebt."

Gegen Vogelmord: Glückwünsche aus dem Vatikan

Nachdem der WIENER TIERSCHUTZVEREIN 1904 neuerlich eine Petition an den Papst gerichtet hatte, sich gegen den Singvogelmord in Italien einzusetzen, erhält Präsident von Holland ein freundliches Schreiben von Kardinalstaatssekretär Merry del Vàl (Rom, 14. November 1905)

"Euer Hochwohlgeboren!

Es dem Heiligen Vater Ihr Schreiben, welches im Namen aller österreichischen Tierschutz-Vereine Seiner Heiligkeit das so lobenswerte Vorhaben unterbreitet und die Unterstützung des höchsten Priesters für eine so edle Sache anruft, zugekommen.

Es wurde mir die Ehre zuteil, im Auftrag seiner Heiligkeit den Dank für die dargebrachte Huldigung auszudrücken. Freue mich ferner hinzufügen zu können, daß der Heilige Vater nicht ohne Sympathie eine solche Gesellschaft ansieht, welche das erhabene Ziel, die Existenz und Behandlung der Tiere, vor sich hat und gleichzeitig barbarische und grausame Tendenzen aus den menschlichen Gefühlen zu verbannen trachtet.

Seine Heiligkeit beglückwünscht Sie und alle diejenigen, die Sie dabei unterstützen, und betet für glückliches Gelingen Ihrer vereinbarten Anstrengungen"

Teil 3: Im Zeichen des Hundes

 

Einführungsseminar Betreuungspaten
12. September 2008, 18:30 Uhr
Terminvormerkung Hundewandertag
13. September 2008