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Wiener Tierschutzverein

Triesterstraße 8 (368)
2331 Vösendorf (Stadtgrenze Wien)

Telefon: 01 / 699 24 50 - 0
Fax: 01 / 699 24 50 - 98
Tierrettung: 01 / 699 24 80

Email: office@wr-tierschutzverein.org

Teil 10: Trendsetter in Sachen Tierschutz

Der WTV in den 1980ern

Anzeigen gegen Steeplechase in Freudenau

Wenn wir das Wort Steeplechase im Zusammenhang mit Pferden hören, denken wir sofort an grausame Hindernisrennen. Dabei werden die Tiere von ihren Reitern gezwungen, über hohe Barrieren und tiefe Gräben zu springen. Stürze gehören zur Tagesordnung. Oft kommen Pferde auch zu Tode. Das bekannteste Rennen dieser Art ist das Grand National in Aintree (England). Lange Zeit wurde auch im tschechischen Pardubice alljährlich ein Steeplechase abgehalten. Was weniger bekannt sein wird: nach dreißigjähriger Pause fand am 19. September 1976 in der Wiener Freudenau ebenfalls eine solche Pferdetortur statt. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN erstattete damals sofort Strafanzeige gegen die Veranstalter. Leider verfolgte die Staatsanwaltschaft die Sache nicht weiter. Als beim nächstjährigen Hindernisrennen, am 18. September 1977, ein Pferd tot zusammenbrach, erstattete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN erneut Anzeige. Im Antwortschreiben vom 23. Oktober d.J. erklärte die Staatsanwaltschaft lapidar: "keine ausreichenden Gründe für den Tatbestand Tierquälerei gem. § 222 Absatz 1 Strafgesetzbuch gefunden" zu haben. Im Österreich der Gegenwart hat das Steeplechase zum Glück keinen Platz mehr.

Welttierschutztag 1977 mit dem Bundespräsidenten

Am Vorabend des Welttierschutztages 1977 veranstaltete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN im Tierschutzhaus eine Festveranstaltung. Persönlich mit dabei: der höchste Repräsentant des Staates, Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger. Das Staatsoberhaupt, gleichzeitig auch Ehrenprotektor des WIENER TIERSCHUTZVEREINS, überreichte fünfzehn PreisträgerInnen des Zeichenwettbewerbs "Mein Freund - das Tier" Diplome und kleine Geschenke. Anschließende würdigte er die Bedeutung des Tierschutzes für die menschliche Gemeinschaft mit folgenden Worten: "Wir sollten uns alle darum bemühen, dass sich unsere Mitbürger nicht dem Tier zuwenden, weil sie von den Menschen enttäuscht sind, sondern weil sie offen sind gegen jedes Lebewesen, offen aus dem Erkennen oder Erahnen heraus vor dem großen Geheimnis, das in jedem Leben steckt."

WTV-Forderung nach Bau eines Tierkrematoriums

Im "Tierfreund" 1/79 befürwortete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN ganz ausdrücklich den Bau einer Kremierungsanlage für Tierkörper im Raum Wien. Gleichzeitig wurden die Vereinsmitglieder ersucht, ihre Meinung zu dieser Idee kundzutun. Die Reaktion war überwältigend. Tausende zustimmende Antworten ermunterten die Vereinsleitung, baldmöglichst mit der Planung und Vorbereitung zu beginnen. Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit Bau- bzw. Gewerbebehörde legten das Bauvorhaben aber die nächsten Jahre auf Eis. Heute existiert in Wien-Simmering ein Tierkrematorium. Büroadresse: Burggasse 60, 1070 Wien.

Entstehung der Welttierschutzgesellschaft WSPA

Im November 1980 fusionierten die beiden Welttierschutzorganisationen WFPA und ISPA zu einer einzigen schlagkräftigen Vereinigung. Damit wurden Synergien freigesetzt, die bis heute dem globalen Kampf gegen Tierquälerei zugute kommen. Der WIENER TIERSCHUTZVEREIN ist langjähriges Mitglied der WSPA und war im Juni 2006 bei den 25-Jahr-Feierlichkleiten der Welttierschutzgesellschaft in London vor Ort. Gegenwärtig führt die WSPA weltweit eine Internetkampagne, bei der zehn Millionen Unterschriften gesammelt werden sollen, mittels derer an die UNO die Aufforderung ergeht, eine Grundcharta für Tiere zu erlassen. Ein visionäres Projekt mit hohem symbolischen und faktischen Wert. Bitte besuchen Sie die Seite und unterzeichnen Sie:

Link: www.animalsmatter.org

Unterschriftenaktion "Auch Nutztiere sind Schutztiere"

Unter diesem Motto startete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN Anfang September 1981 eine Unterschriftenaktion mit dem Ziel einer bundeseinheitlichen Regelung für die humane Haltung von Schweinen, Rindern und Geflügel. Erreicht werden sollten mindestens 100.000 Signaturen. Bis zum 18. August 1982 war diese Marke bereits überschritten: 130.202 ÖsterreicherInnen hatten unterzeichnet.

Am 24. Oktober 1986 führte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN einen Demonstrationszug durch die Wiener Innenstadt durch und überreichte Staatssekretärin Johanna Dohnal, in Abwesenheit des leider verhinderten Bundeskanzlers Dr. Franz Vranitzky, 162.000 - in handliche Pakete abgepackte - Unterschriften. Frau Dohnal sagte zu, sich für die Anliegen der Nutztiere einzusetzen und äußerte spontan den Wunsch, Mitglied des WIENER TIERSCHUTZVEREINS zu werden.

Einsatz gegen Kettenhunde-Haltung

Um das Los der dauernd an einer kurzen Kette gehaltenen Hunde zu erleichtern, bot der WIENER TIERSCHUTZVEREIN im September 1982 den TierhalterInnen an, Ihnen kostenlos Materialien für so genannte Laufketten zur Verfügung zu stellen. Die richtige Montage wurde von Tierschutzinspektoren des WTV kontrolliert.

Im Januar 1986 starte der WTV die Initiative "Gemeinde ohne Kettenhund". Diese Auszeichnung wurde all jenen ländlichen Gebieten verliehen, in denen kein einziger Hund an einer Kette gehalten worden war.

Aufgrund einer Mitteilung des Bürgermeisters der Marktgemeinde (2601) Sollenau vom 3. November d.J., dass in dieser aus 1.152 Häusern und 3.555 EinwohnerInnen bestehenden Gemeinde sämtliche 320 Hunde frei gehalten werden, erkannte der WTV Sollenau die besondere Auszeichnung "tierfreundliche Gemeinde" zu. Die nächsten Drei, denen diese Ehre zuteil worden war, sind: die Gemeinde Schwarzenau am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen), die Marktgemeinde Petzenkirchen (Bezirk Melk) sowie die Marktgemeinde Burgschleinitz-Kühnring (Bezirk Horn).

Feierliche Eröffnung neuer Hundestallungen

1982 stand im Gedenken an Franz von Assisi; das Geburtsjahr des großen Tierschutzpatrons jährte sich zum 800.Mal. Am 16. Oktober, knapp nach dem Welttierschutztag, eröffnete der WIENER TIERSCHUTZVEREIN Franziskus' zu Ehren seine neuen Hundestallungen am Khleslplatz. Drei zusätzliche Gebäude mit je 28 Einheiten boten ab sofort Aufnahme für 84 Hunde.

Der WTV wurde zum "Markenzeichen"

Eine im Dezember desselben Jahres vom Meinungsforschungsinstitut Fessl durchgeführte Umfrage ergab: 89% der Befragten beurteilten die Leistungen des WIENER TIERSCHUTZVEREINS als "wichtig bis äußerst wichtig". Ein wunderbarer Vertrauensbeweis der Bevölkerung.

Am 5.12. präsentierte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN sein neues Vereinssymbol, das immer noch in Verwendung und zum Markenzeichen für aktiven Tierschutz geworden ist.

BP Kirchschläger, ein Freund des WTV

Bundespräsident Kirchschläger machte dem Tierschutzhaus am 25. Februar 1983 erneut seine Aufwartung. Beim Round-Table-Gespräch mit Vereinspräsident Univ.-Prof. Dr. Oskar Prändl wollte er seinen zweiten Besuch als "offizielle Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit des Wiener Tierschutzvereins" verstanden wissen.

Am 4. Dezember 1986 wurde Dr. Kirchschläger, damals schon Altbundespräsident, die Ehrenmitgliedschaft des WIENER TIERSCHUTZVEREINS überreicht. In seiner Dankesrede erklärte das Staatsoberhaupt a.D.: "Wir müssen trachten, dass das Verständnis für das Tier nicht nur in den einsamen Menschen wächst, wir müssen vielmehr trachten, eine Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und bei den Mitmenschen zu erreichen, die das Tier schätzt, gut zum Tier ist und dem Tier zur Seite steht!".

WTV-Gnadenhof in burgenländischen Marz

In einer Bauzeit von nahezu zwei Jahren adaptierte der WIENER TIERSCHUTZVEREIN die ehemalige "Heroldsmühle" in Marz zu einem Gnadenhof. Darin fanden bis zum Sommer 2006 alte bzw. gebrechliche Tiere ein würdevolles Ausgedinge. Zurzeit steht der neu renovierte Gnadenhof, nahe des Tierschutzhauses in Vösendorf, kurz vor der Vollendung. Das zu klein gewordene Marz wurde veräußert.

1. Mischlingshunde-Wettbewerb des WTV (1984)

Am 2. Dezember 1984 hielt der WIENER TIERSCHUTZVEREIN im Wiener Tierschutzhaus den ersten so genannten "Bastardl-Wettbewerb" ab, bei dem die schönsten Mischlingshunde gekürt wurden. Im Gegensatz zu Rassehunden genießen Mischlinge ja in den Augen vieler Menschen weit weniger Ansehen - zu Unrecht! Mit der Etablierung dieser breitenwirksamen Veranstaltung hat der WTV eine Lanze für die Reputation von Mischlingshunden gebrochen. "Bastardl", zugegeben, ein unschönes Wort, das aber nicht despektierlich, sondern mit Wienerischem Charme verstanden werden muss. Gegenwärtig wird der Mischlingshundewettbewerb mit großem Publikumanklang alljährlich anlässlich des Tags der Offenen Tür im Tierschutzhaus in Vösendorf abgehalten.

"Erster Österreichischer Tierschutzkongress" (1987)

Am 15. Oktober 1985 nahm der WIENER TIERSCHUTZVEREIN mit Frau Viktoria Blaska aus Bruck an der Leitha feierlich sein 50.000. Mitglied auf.

Vom 10. bis 11. Oktober 1987 war Klosterneuburg Schauplatz des "Ersten Österreichischen Tierschutzkongresses. Auf Einladung der Obfrau des Tierheims Klosterneuburg, Lucie Loubé, reisten RepräsentantInnen von vierzig Tierschutzvereinen aus allen neun Bundesländern an. Die Tagungsagenda umfasste:

-) Verbesserung der Rechtsstellung des Tieres und der Tierschutzorganisationen

-) Steuerfragen und Finanzierungsformen der Tierschutzvereine

-) Strukturreform des Tierschutzes in Österreich; Organisations- und Finanzierungsmodelle

-) Abschaffung von Tierversuchen

Lucie Loubé Vorsitzende des Tierschutzausschusses

Anfang 1988 war es zu Veränderungen in der Vereinsleitung des WIENER TIERSCHUTZVEREINS gekommen. Am 12. Februar verstarb der langjährige Präsident Dr. Prändl. Siebe Tage später wurde Lucie Loubé der Vorsitz im Tierschutzausschuss - und damit die Letztverantwortung über das Wiener Tierschutzhaus - übertragen. Jürgen Peters war bereits am 31. Januar zum geschäftsführenden Präsidenten bestimmt worden.

Frau Loubé begann sofort nach Amtsantritt mit notwendigen Reformen. So wurden von ihr die Öffnungszeiten geändert, als auch die Abgabemodalitäten für Hunde. Das führte dazu, dass sich der Hundebestand innerhalb weniger Wochen von 205 auf 136 verringerte - bei gleichzeitiger Reduzierung der Einschläferungen.

Bundesgesetz: "Tiere sind keine Sachen."

Am 10. März 1986 beschloss der österreichische Nationalrat über die Rechtsstellung von Tieren. Durch das Bundesgesetz Nr. 179/1988 wurde dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) der Paragraph 285a eingefügt, dessen erster Satz lautet: "Tiere sind keine Sachen, sie werden durch besondere Gesetze geschützt". Gesetzeskraft hatte dieser Beschluss mit 1. Juli d.J. Damit war einer der Grundsteine für das Bundestierschutzgesetz vom 1.1. 2005 gelegt.

1. Artenschutzkonferenz des WTV (1988)

Auf Initiative des WIENER TIERSCHUTZVEREINS kamen am 27. Mai 1988 VertreterInnnen der Bundesministerien für wirtschaftliche Angelegenheiten, für Umwelt bzw. für Jugend und Familie, der Wiener Magistratsabteilung MA22, des Zollamtes Wien-Schwechat, des Umweltforums sowie des WWF Österreichs zusammen. Den Ehrenvorsitz übernahm Bundesministerin Dr. Marilies Fleming. Zur Debatte stand die Handhabung des Washingtoner Artenschutzabkommens in Österreich. Anlassfall für dieses Treffen war u.a. die traurige Geschichte der beiden Schimpansen "Rosi" und "Hiasl".

Der "Schimpansenprozess" um "Rosi" und "Hiasl"

Seit 28. April 1982 befanden sich "Rosi" und "Hiasl", zwei Schimpansen, nach ihrer Beschlagnahme wegen Verletzung des Washingtoner Artenschutzabkommens in Verwahrung des WIENER TIERSCHUTZVEREINS. Die beiden Tiere waren von der Pharma-Firma Immuno als Wildfänge aus Westafrika importiert worden, um sie für Tierversuche heranzuziehen. In den Folgejahren entstand über die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmung ein Rechtsstreit, der bis zum Verfassungsgerichtshof ging. Mit 28. November 1985 erging dann das höchstgerichtliche Erkenntnis, dass die Beschlagnahme aufgehoben worden war, und die beiden Affen Immuno auszufolgen seien. Als die Pharmaleute "Rosi" und "Hiasl" abholen wollten, bildeten TierpflegerInnen eine Menschenmauer um den Schimpansenkäfig und verweigerten die Herausgabe. Weitere Klagen und Prozesse brachen über den WIENER TIERSCHUTZVEREIN herein. Durch am Ende saß der WTV am längeren Ast: "Rosi" und "Hiasl" mussten nie qualvolle Experimente über sich ergehen lassen und leben seit Jahren wohlauf in einer geräumigen Anlage im Tierschutzhaus. Außerdem sind sind Tierversuche mit Menschenaffen in Österreich mittlerweile verboten!

Januar 1989: "Tierfreund" wieder im Großformat

Anfang 1989 macht das Vereinsmagazin des WIENER TIERSCHUTZVEREINS, der "Tierfreund", mit neuem Briefkopf, großformatig und mit vergrößertem Umfang auf. Der Themenkreis wurde um Gebiete wie Alternativmethoden zu Tierversuchen, Rechtsfragen, Fragen zur praktischen Tierhaltung u.v.m. erweitert

Richtungsweisende Beschlussfassungen

Am 28. Juni 1989 beschloss die Generalversammlung des WIENER TIERSCHUTZVEREINS folgende Schritte anzugehen:

-) dafür Sorge zu tragen, dass in einzelnen spezialisierten Pensionistenheimen die Mitnahme von Hunden und Katzen als treue Weggefährten des alten Menschen ermöglicht wird

-) zu erreichen versuchen, dass die Stadt Wien die Tätigkeit des Wiener Tierschutzvereins finanziell abgilt. Zumindest 50% der vereinnahmten Hundeabgabe sollten hierfür zweckgebunden werden

-) ein Programm für ein "hunde- und tierfreundliches Wien" zu entwerfen, um ein "besseres Miteinander zwischen Tierfreunden und Tierfeinden" zu erreichen

-) Ermäßigung der Hundeabgabe um je 25% bei Nachweis des Besuches eines Hundeschulungskurses, bei Nachweis einer Kastration bzw. Sterilisation des Hundes sowie bei Übernahme eines Hundes aus dem Wiener Tierschutzhaus.

Fortsetzung folgt

Einführungsseminar Betreuungspaten
12. September 2008, 18:30 Uhr
Terminvormerkung Hundewandertag
13. September 2008